“Papers, please” ist mir schon vor Wochen im Humble Bundle Store aufgefallen, aber gekauft habe ich es tatsächlich erst gestern. Die Beschreibung sagt nicht viel mehr, als dass der Protagonist ein Grenzbeamter ist, der entscheidet, ob Menschen einreisen dürfen oder nicht. Klingt jetzt nicht so spannend, oder?

Ist es auch wirklich nicht. Der Held geht zur Arbeit, liest sich die neuen Regeln durch, welche das Außenministerium täglich ausgibt, und stempelt dann fleißig bis zum Feierabend. Was das Spiel aber interessant macht, sind die Umstände.

Bezahlt wird nach korrekten Entscheidungen, das heißt für jede Person, die laut Dokumenten einreisen dürfte und einen grünen Stempel in den Pass bekommt, erhält der Beamte 5 Credits (und andersherum). Zwei Fehler sind pro Tag erlaubt, danach werden 5 Credits pro Fehlentscheidung Strafe abgezogen.

Nun ist es so, dass der Held selbst ein schwieriges Leben hat. Es wollen vier andere Mäuler gestopft werden und krank wird die Bagage auch dauernd. Dazu noch Heizung und steigende Miete… Grenzbeamte in der fiktiven Ostblockdiktatur Arstotzka sollten möglichst schnell arbeiten, wenn sie überleben wollen.

Das wird allerdings im Laufe des Spiels immer schwieriger, da jeden Tag eine neue Regel hinzukommt. Anfangs muss nur der Pass auf seine Gültigkeit überprüft werden; gegen Ende gibt es mehrere Ausnahmeregelungen und Formulare, die der Held abgleichen muss.

Screenshot aus Papers, please

Was das Spiel eigentlich ausmacht, sind die kleinen Geschichten und Schicksale, über die der Held entscheiden muss und in moralische Zwickmühlen gerät. Eine Frau will zu ihrem Mann ziehen, hat aber keine gültigen Dokumente. An sich ein No-Brainer sie passieren zu lassen, aber es liegt schon eine Verwarnung auf dem Schreibtisch und beim nächsten Fehler gibt es Abzüge. Soll das eigene Kind für eine fragwürdig glückliche Ehe — ihren Mann kennt man ja nicht — weiter frieren und hungern?

Ich weiß nicht, ob “Papers, please” gewonnen werden kann oder wie das aussehen könnte. Einmal hatte ich 10 Credits Schulden und bin dafür im Gefängnis gelandet, das war eines von 20 Enden. Das Spiel ist auf alle Fälle gut und mit Liebe gemacht, als Folge des Settings nicht wirklich spaßig, hat aber erzieherischen Charakter. Und ein bisschen spannend finde ich es schon auch, weil mich das Ende interessiert. Wird der Grenzposten von Terroristen gesprengt? Macht Arstotzka die Grenze einfach dicht? Lande ich immer im Gefängnis?

Kurz: Für 10 $ ist “Papers, please” eine gute Investition.