Es ist Weihnachtszeit, ich bin zu Hause und da komme ich Donnerstag bis Sonntag in Kontakt mit der “Kleine Zeitung”. Das ist eine überregionale österreichische Tageszeitung, sie erscheint in der Steiermark und in Kärnten. Kein unbedeutendes Blatt für ein kleines Land.

Heute ist auf Seite 2 ein Artikel über Google. Im Nachhinein hätte ich ihn einfach ignorieren sollen.

Es folge ein kleiner Film, in dem Google gegen einen unliebsamen Gesetzesentwurf Stimmung machte, der derzeit im Deutschen Bundestag debattiert wird.

Dieser ist gemeint. Mal abgesehen davon, dass auch 16 Professoren vom Max Planck Institut oder die Jugendorganisationen aller Parteien wenig begeistert vom LSR sind, lese ich im Subtext schon den bösen Konzern mit seinen schmierigen Lobbyisten heraus. Man könnte sich auch fragen, wie gut mitten in der Nacht nach einem anstrengenden Tag noch debattiert werden kann, aber egal.

Hinter dem sperrigen Begriff “Leistungsschutzrecht” verbirgt sich eine Grundfrage: Was darf Google?

Das ist die Version der Verleger: Google ist der geldgierige Monopolist, gegen den die armen, ausgebeuteten Verlage machtlos sind. Vielleicht ist es gelogen, auf alle Fälle stimmt das so nicht.

Es soll verhindern, dass der Internet-Riese sich weiterhin an Inhalten bereichert, die ihm nicht gehören (…)

Klingt als ob Google Nutzungsrechte an diesen Inhalten verkauft, tatsächlich schalten sie Werbung zu Stichworten (AdWords). Beim Stein des Anstoßes, Google News, ist das übrigens nicht der Fall.

Medien liefern die Daten, Google verdient damit und liefert den Verlagen zumindest Kundschaft.

Das Statement müsste ungefähr so aussehen: Medien lassen ihre Artikel freiwillig von Google durchsuchen. Google schaltet bei Suchanfragen außerhalb von Google News Werbung und verdient dabei Geld. Das machen auch Zeitungen so. Gleichzeitig leitet Google einen so großen Anteil an Lesern zu den Zeitungen, dass diese alte Artikel als Neue bei Google News anzeigen lassen um ganz oben gelistet zu werden. Für Letzteres finde ich leider die Quelle nicht mehr.

Der Konzern verkleidet sein Geschäftsmodell, das zu großen Teilen daraus besteht, Inhalte anderer im Netz zugänglich zu machen, als Frage des Allgemeinwohls.

Das ist geschickt! Es klingt als würde Google gegen den Willen der Rechteinhaber Inhalte ins Netz stellen. Tatsächlich fußt das Geschäftsmodell von Google auf Werbung. Natürlich sind mehr frei durchsuchbare Inhalte im Netz besser für Google: Treffende Suchergebnisse erhalten die Nutzerschaft, der dann in Abhängigkeit der Suchanfrage Werbung angezeigt wird. Blogspot, Youtube, Google Docs und Co sind also so gesehen Mittel zum eigentlichen Zweck: Werbung schalten.

Danach folgen im Prinzip valide Argumente bezüglich Filter-Bubble, Neutralität der Suchergebnisse und seltsame Argumente bezüglich der Breite des Google-Angebots (Mail, Plus, Android etc.), die aber nichts mehr mit dem Leistungsschutzrecht zu tun haben.

Ich würde mich schämen, sowas als Titelstory auf Seiten 2 und 3 zu bringen. Es ist kein objektiver Artikel über Google, sonst hätte man auch positive Argumente bringen müssen. Etwa wie viel besser das Internet mit der Suchmaschine Google wurde. Es ist auch kein objektiver Artikel über das Leistungsschutzrecht, weil die Hälfte davon nichts mit dem geplanten Gesetz zu tun hat. Außerdem wäre es dann schön gewesen, irgendein Gegenargument zu lesen. Es ist ein Artikel wie ihn nur jemand schreiben kann, der sich seine Meinung durch deutsche Tageszeitungen gebildet hat.